Künstler



 

Auf die Auswahl der Steine legen die Bildhauer größten Wert. Viele bevorzugen ganz bestimmte Steinbrüche und verbringen Stunden bei der Vorauswahl geeigneter Felsblöcke. Allen Künstlern ist ein geradezu ehrfürchtiger Respekt vor dem noch unbearbeiteten Stein eigen. Keiner der großen Künstler sieht in dem Stein nur das Material, durch das er seine Ideen verwirklichen will, denn in der Mythologie der Shona ist der Stein wie die restliche Natur beseelt.

Teilweise sieht der Künstler die Grundstruktur der Skulptur bereits im noch unbehauenen Fels angelegt, manchmal liefert der Rohling ihm die Idee. Die wenigsten Künstler arbeiten mit Skizzen oder reißen Grundrisse an. Die Arbeit entwickelt sich im Dialog zwischen Künstler und Stein. Jede Maserung in der Farbe, jeder Riss kann der Skulptur eine neue Richtung geben. Der Künstler wird von der Idee geleitet, dass die Skulptur bereits im Stein angelegt ist und es seine Aufgabe ist, ihre Form zu erspüren und dann mit seinen Mitteln aus dem Stein zu befreien. Solche Vorstellungen hatten und haben auch viele europäische Bildhauer von Michelangelo bis in unsere Zeit.

Der Bildhauer Bernard Matemera erklärte einem kleinen Jungen, der zum ersten Mal einen Stein bearbeiten wollte, er solle sich vorstellen, er habe eine Banane vor sich und müsse nur noch die Schale entfernen. Die Arbeit am Stein beginnt, indem die Skulptur mit dem Läuferhammer grob geformt wird. Im zweiten Arbeitsgang werden die Feinheiten der Skulptur mit Hammer und verschiedenen Meißeln herausgeholt. Durch Raspeln und Feilen erhält das Werk dann seine endgültige Form.

Der Einsatz von Maschinen ist noch verpönt. Selbst das mühevolle "Finishing" der Skulptur wird ausschließlich in Handarbeit durchgeführt - die bekanntesten Künstler lassen diese Arbeit häufig von Schülern oder Assistenten erledigen, nicht nur zur eigenen Arbeits- erseichterung, sondern auch, damit die Schüler ein Gefühl für Formen entwickeln.

Beim "Finishing" wird das fertig gemeißelte Werk mit immer feinerem Schleifpapier bis zur Körnung 1000 völlig glatt poliert, anschließend erhitzt und mit Wachs bestrichen. Durch das Wachs kommen Struktur und Farbe des Steines voll zur Geltung - wie bei einem Stein, der im Wasser liegt. Nach dem Erkalten wird mit einem weichen Lappen das überschüssige Wachs entfernt und der Stein poliert. Seit einigen Jahren gehen viele Künstler dazu über, Teile der Skulptur unbearbeitet oder nur gemeißelt zu lassen, um die Spannung zwischen der polierten Oberfläche und der rauen Struktur des Steins zu erkunden.

Quelle, Text aus: Zeitgenössische Stein-Skulpturen aus Zimbabwe - Ausstellung "HOPE" im Schloss Oranienstein in Diez im Sommer 2003


 

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